Ein Golfprofi aus der Region

Michael Wolf stellt sich vor

von Kai Wunner

Golfprofi Michael Wolf
Foto: Alexander Becher Fotografie

Der Einstieg in die Pro Golf Tour soll dem Backnanger Michael Wolf eine Karriere als Profigolfer ermöglichen. Wir haben uns mit ihm über seine ersten Erfahrungen und besonderen Erlebnisse auf den ersten Stationen der diesjährigen ProGolf Tour-Saison unterhalten.


Insbesondere interessiert uns dabei natürlich, welche Anforderungen das Profileben stellt und wie man einen Start ins Lager der Profigolfer finanzieren kann.

 

Michael Wolf
Foto: Alexander Becher Fotografie

SGC: Was hat dich dazu bewogen Golfprofi werden zu wollen?

 

Michael Wolf: Im Alter von 6 Jahren haben mich meine Großeltern mit auf den Golfplatz geschleppt. Ich wusste erst nicht so recht was ich damit anfangen sollte. Erst als ich Tiger Woods live bei der SAP - Open in Sankt Leon-Rot sah, wusste ich: So will ich auch mal sein, das war jedoch erst im Alter von 10 Jahren.

 

SGC: Wie wird man Profi und welche Möglichkeiten gibt es da zu spielen?

 

Michael Wolf: Professioneller Golfspieler kann grundsätzlich jeder werden, der ein Plus-Handicap hat. Das sind die Bedingungen dafür, jedoch hat nicht jeder Plus-Handicapper das Zeug dazu. Ich habe ungefähr 6 Jahre im Plusbereich gespielt bis ich selbst gemerkt habe, dass der Zeitpunkt dafür gekommen ist. Da spielte ich bereits HCP +3,4.

Sobald man Pro ist, kann man in 3 Ligen teilnehmen. Mit ,,dritter Liga'' sind Satelliten-Touren wie die Pro Golf Tour, die Alps-Tour oder die Nordic League gemeint. Jedes Event ist mit 5 - 10.000 Euro dotiert.
 
Satelliten Touren werden sie deshalb genannt, da man sich für die ,,zweite Liga'', die Challenge Tour qualifizieren kann. 
Hier gibt es schon höhere Preisgelder, und die Turniere reichen von Europa bis Asien. 
 

Auf die European Tour gibt es zwei Wege, entweder man ist auf der Challenge Tour erfolgreich oder man qualifiziert sich direkt über die Qualifikationsturniere.

 

SGC: Wie sind die ersten Turniere verlaufen? Und gab es dabei besondere Erlebnisse?

 

Michael Wolf: Da ich mit hohen Erwartungen in die Saison gegangen bin, habe ich bis jetzt eher einstecken müssen. Im Februar bin ich mit anderen Profis nach Spanien, um mich dort auf die Saison vorzubereiten. Dort habe ich auf der EVOLVE Pro Tour gleich den zweiten Platz belegt. Ein großer Schub für das Selbstvertrauen, da dort auch 2. und 1.Ligaprofis mitspielten. Die Saison auf der Pro Golf Tour jedoch wurde bisher mit 6 Cuts bei 10 Turnieren belohnt, was nicht ganz meinen Vorstellungen entsprach. Den ,,Cut' schaffen bedeutet hierbei, unter den Top 40 der 80-140 Spielern zu sein.

 

SGC: Was muss man investieren und was kann man als Profi verdienen?

 

Michael Wolf: Bei einem Sieg auf der Pro Golf Tour kann man 4000 Euro netto verdienen. Sobald der Cut geschafft ist, hat man automatisch 300 Euro verdient. Viel zu wenig also, um seine Ausgaben wieder reinzuholen. Wie bei jeder Selbstständigkeit muss man in diesem Job viel investieren, vor allem an Zeit, aber noch mehr an Geld. Bei einer Saison mit 25 Turnieren kann man von Turnierausgaben in Höhe von 25 000 Euro.

Golfprofi Michael Wolf
Foto: Alexander Becher Fotografie

SGC: Wie sieht es bei der Suche nach Sponsoren aus?

 

Michael Wolf: Die Suche verläuft langsam, aber effektiv. Systematisch versuche ich mit meinem Berater Michael Clauss tolle Angebote zu erstellen, die einen Mehrwert für potentielle Sponsoren und Investoren darstellen. Seither sind wir auch mit mehreren Firmen im Gespräch. Anfangs wollte ich mit Flyern und anderen Werbemitteln alleine an die Sache heran gehen, was missglückte.

 

SGC: Hast du einen Manager oder wer unterstützt dich bei deiner Karriere?

 

Michael Wolf: Seit diesem Jahr arbeite ich mit der Agentur emotion4golf zusammen.  ,,Manager'' ist manchmal ein abschreckendes Wort. Ich würde sagen, dass Michael Clauss von emotion4golf einer der wenigen sportbegeisterten Menschen ist, die mein Potential ernsthaft zu schätzen wissen. Es war eine gute Entscheidung, nicht alles dem Zufall zu überlassen, sondern einen Profi an die Sache ranzulassen.

 

SGC: Was macht den Unterschied zwischen erfolgreichem Amateurgolf und Profisport?

 

Michael Wolf: Der Unterschied ist sichtbar. Erfolgreiche Amateure können zwar genauso gutes Golf spielen, jedoch ist die Leistungsdichte nicht so hoch wie bei den Profis. Ich glaube der Unterschied liegt im Spiel der Amateure, diese haben meistens eine Stärke - zum Beispiel das Abschlagen. Die Profis haben jedoch keine Schwächen, sondern können alles relativ gleich gut, da sie besser analysieren können, was sie trainieren müssen und wo ihre Schwächen liegen.

 

SGC: Wer sind deine Vorbilder und wo sind deine Stärken und Schwächen als Golfer?

 

Michael Wolf: Michael Wolf:  Als Jugendlicher hatte ich vor allem einen Jugendlichen aus dem Heimatclub als Vorbild, später meine Teamkollegen aus Mannheim. Mittlerweile sind eigentlich nur noch Martin Kaymer und Tiger Woods meine Vorbilder. Sie trainieren sehr viel, genau wie ich.  Meine Stärken als Golfer sind Durchhaltevermögen, Putten und die Taktik. Ich bin nicht der allerlängste oder geradeste Spieler, aber ich kann mich gut durch Plätze manövrieren und durch mein Putten den Score niedrig halten. Mein langes Spiel und die Schläge ums Grün herum gilt es noch zu verbessern, dann sind keine Grenzen gesetzt.

 

SGC: Wie sieht dein Training aus und was für Unterstützung hast du dabei?

 

Michael Wolf: Ich achte sehr darauf, akribisch zu Planen. Meine Woche muss aus 6 Trainingstagen bestehen, in denen ich mindestens 5 Stunden effektiv trainiere. Natürlich kann das auch den ganzen Tag dauern wenn es sinnvoll ist.  Ich trainiere oft im Golfclub Hetzenhof bei Lorch, denn dort lehrt mein Heimtrainer Harald Ruoss. Einmal die Woche gehe ich zum GC Mannheim um beim Mannschaftstraining teilzunehmen oder bei Ted Long zu trainieren (Mannschaftstrainer). Mein Fitnesstraining findet 3 mal die Woche im Vitalcenter Ruit statt. Dort habe ich Personal Training bei Thomas Luther, ein sehr guter Freund und Golfer.

 

SGC: Was ist dein größter Traum als Golfer?

 

Michael Wolf: Ein absoluter Traum wäre es einfach, von den kleinen Touren wegzukommen und bei den großen auf der European Tour und PGA Tour mitspielen zu können. Ich will wissen, wie es ist ein Major zu gewinnen und ich wäre gerne selbst später ein Vorbild für andere. Die finanzielle Unabhängigkeit durch den Sport, den ich liebe, wäre auch ein Traum für mich. Wenn das alles geschafft ist, würde ich meine Aufgabe darin sehen, junge Profis in Deutschland finanziell zu unterstützen.

 

 

Zur Person:

Golfprofi Michael Wolf
Foto: Alexander Becher Fotografie

Geboren am 28.07.1991 in Backnang.

Er ist 1,84 cm groß und 78 kg schwer und hat ein HCP von + 3,4.

Teilnehmer der Progolftour und Bundesligaspieler beim Team Mannheim.

 

Michael Wolf war mit 3 Jahren das erste Mal auf dem Golfplatz. Mit 6 Jahren gab es dann die ersten Golfstunden von Brian Riley auf dem Golfclub Haghof. 1999 schaffte er es als jüngster Spieler in die Baden-Württembergische Auswahl. Der Gewinn der Baden-Württembergischen Jugend-Mannschaftsmeisterschaft mit dem Team vom Haghof erreichte er in 2004. Mit 13 Jahren spielte Michael seine erste Runde unter PAR.

 

Der Gewinn des U16 Amateur-Rydercup der Bundesländer für das Team Baden-Württemberg folgte dann in 2006. Nach dem Gewinn der Clubmeisterschaft auf dem Haghof in 2010 folgte dann der Wechsel in das Bundesliga Team des Golfclub Mannheim.

 

In der Order of Merit der Pro Golf Tour belegt er momentan den 82. Platz.

 

Weitere Informationen über Michael Wolf findet man hier: www.wolfmichael.de

 

Informationen über die Progolf Tour gibt es hier: www.pga.de/Pro-golf-tour-de.html

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