Schlägerfitting - Die Einflußfaktoren

Warum sollte ich gefittete Schläger spielen?

von Benedikt Behl

Jeder hat andere Erwartungen an den Schläger und jeder bringt unterschiedliche Vorraussetzungen mit.

 

Angepasste Schläger machen aus einem Anfänger keinen Profi, aber sie helfen jedem Golfer egal ob jung oder alt sich das Leben auf dem Golfplatz zu erleichtern. Mit ihnen lassen sich Fehler vermeiden, für die der Golfer rein gar nichts kann, die aber großen Einfluss auf das Ergebnis haben.

Lie:

Der Lie Winkel ist der Winkel zwischen Schaft und Schlagfläche. Er entscheidet ob der Schlägerkopf parallel zum Boden eintrifft oder eine Verwindung entsteht. Eine Verwindung hat großen Einfluss auf den Ballflug, da der Ball immer in Richtung der Schlagfläche startet.

Egal ob der Lie Winkel durch die Körpergröße des Spielers oder schwungtechnisch bedingt falsch ist, sind die Konsequenzen verheerend. Ist der Bodenkontakt zu nah an der Spitze des Schlägerkopfes öffnet sich die Schlagfläche und lässt den Ball nach rechts starten. Das heißt, obwohl der Spieler eigentlich einen geraden Ball spielen würde, landet der Ball rechts vom Ziel, weil der Lie Winkel nicht stimmt. Dies funktioniert natürlich auch in die andere Richtung.

Genauso wie der Lie Winkel eine Verwindung des Schlägerkopfes zum Nachteil des Spielers erzeugen kann, kann man den Lie Winkel auch nutzen Fehler des Spielers auszugleichen. Kommt der Spieler beispielsweise mit einer offenen Schlagfläche an den Ball, kann man diese durch eine bewusste Anpassung des Lie Winkels schließen.

Youtube-Video - Ralph Maltby über den Lie Angle bei den Eisen

Griff:

Der Griff wird oft in seiner Wichtigkeit unterschätzt, dabei ist er das Verbindungselement zwischen Spieler und Schläger. Es geht nicht nur darum den Schläger sicher in der Hand zu haben, es geht auch um Rückmeldung und Schlägerkopfgeschwindigkeit.

Schlägerkopfgeschwindigkeit? - Jetzt spinnt er völlig mag der ein oder andere denken, aber nein, die Schlägerkopfgeschwindigkeit hängt zu großen Teilen von der Wahl des richtigen Griffes ab. Doch beginnen wir mit dem Logischen. Der Griff als Verbindung zum Schläger.

Hier ein kurzes Video über die Lamkin UTx Griffe. Hier wird deutlich wie viel Technik heute in Golfgriffen steckt:

Youtube-Video - Lamkin UTx Griffe

Griffigkeit:

Es gibt verschiedene Varianten von Griffen. Sie unterscheiden sich in Material bzw. Materialmix und Struktur der Oberfläche. Die Auswahl reicht von verschiedenen Gummimischungen mit oder ohne Cordfasern bis hin zu Echtledergriffen. Außerdem gibt es neben den weitverbreiteten runden Griffen, so genannte "ripped" Griffe, welche über eine Verdickung auf der Rückseite Verfügung.


Hierbei geht es noch nur um Haptik, Reibung und Rückmeldung. Je nach Vorliebe sollte der Spieler den Griff wählen, bei dem er sich am wohlsten fühlt.

Griffdicke:

Zwischen Fingerspitzen und Handballen sollte ein leichter Kontakt sein. Ist der Griff zu dünn, muss der Spieler fester greifen und den Schläger "erwürgen". Dies sieht man recht deutlich an der Abnutzung des Griffes, wenn die Daumen einen deutlichen Abdruck hinterlassen. Nachteilig an dem zu dünnen Griff ist, dass die Unterarme verkrampfen und somit die Rotation durch den Ball gehindert wird.


Mit einem dickeren Griff kann der Schläger lockerer gehalten werden. Wie auch bei den Puttergriffen sorgen dickere Griffe für mehr Stabilität, weniger Bewegung im Handgelenk und konstantere Schläge. Im Gegenzug bringen dünnere Griffe mehr Handgelenkseinsatz, mehr Flexibilität und somit auch eine höhere Schlägerkopfgeschwindigkeit.

Die Verbindung zwischen Haptik und Griffdicke sorgen für Vertrauen des Spielers in den Schläger. Nur wenn man sich sicher fühlt kann man offensiv spielen und die niedrigen Scores angreifen!

Youtube-Video - Lucky Bounces on the PGA Tour

Bounce:

Jeder redet über den Bounce, aber wo ist er und was macht er?


Bei dem Bounce geht es nicht darum wie der Ball nach der Landung springt, es geht viel mehr darum wie der Schläger springt, wenn er den Boden berührt. Wenn von dem Bounce gesprochen wird, geht es eigentlich um den Bouncewinkel. Dies ist der Winkel zwischen Leadingedge und der tiefsten Stelle der Schlägersohle.

Was macht der Bounce? Wenn der Schläger den Boden berührt entscheidet der Bounce wie stark der Schläger abprallt. Am deutlichsten wird dies im Bunker. Das klassische Sandwegde hat einen Bounce von 14 Grad. Diesen hohen Bounce benötigt der Schläger, dass er im Sand Auftrieb entwickelt und sich nicht immer tiefer in den Bunker hineingräbt. Hätte die Sandwegde keinen so starken Bounce, wäre es viel schwieriger den Ball hinaus zu befördern. Da die Sandwegde aber so starken Auftrieb erzeugt, ist es sehr schwer mit ihr einen Ball von einem harten Untergrund zu spielen. Trifft der Schläger auf einem harten Untergrund zu früh den Boden, prallt er sehr stark ab und trifft den Ball meist nur noch mit der Leadingedge. Der Ball schießt flach weg.
 
Je nach Beschaffenheit des Untergrundes empfiehlt es sich also mit mehr oder weniger Bounce zu spielen. Eine einfache Grundregel ist, dass die Sandwegde, wie es der Name sagt für den Sand gebaut ist. Die Gap und Lob-Wedge haben beide einen geringeren Bounce, somit eignen sie sich deutlich besser für das Spiel vom festerem Untergrund.

Wie in den Spezifikationen der aktuellen Ping i Eisenserie deutlich wird, verändert sich der Bounce von Schläger zu Schläger. Je nach Anforderung an den Schläger hat er einen anderen Bounce.

Übersicht der Schlägerspezifikationen der aktuellen PING i Eisenserie
Übersicht der Schlägerspezifikationen der aktuellen PING i Eisenserie

In den Wedges wird der Unterschied noch viel deutlicher. Hier hat allerdings auch der Wunsch des Spielers großen Einfluss. Daher bieten fast alle Hersteller heute verschiedene Bounces und Grind-Varianten in den verschiedenen Wedges an.

Grind:

Der Grind steht in einem engen Zusammenhang mit dem Bouncewinkel. Der Grind ist der Schliff der Sohle. Durch verschiedene Schliffe lässt sich die Einsetzbarkeit der Schläger an die verschiedenen Schlagtypen anpassen. Vereinfacht kann man die Grinds in zwei Gruppen unterteilen, bei dem C-Grind wird von der Leadingedge Material der Sohle entfernt oder bei dem U-Grind von der entgegengesetzten Seite. Zum Chippen eignet sich daher der C-Grind besser, er ermöglicht es, die Leadingedge näher an den Boden zu bringen und den Ball nach vorne zu pressen. Bei dem U-Grind lässt sich die Schlagfläche deutlich besser öffnen. Will der Spieler das Loft erhöhen und öffnet die Schlagfläche würde die Leadingedge bei einem C-Grind immer höher steigen, da sich der Schläger auf dem Bounce in die Höhe schraubt. Bei einem U-Grind hingegen bleibt die Leadingedge sehr nah am Boden.


Um den Spieler mit der Wahl des Grinds nicht zu überfordern bieten die meisten Herstellers einen Standard-Grind an. Dieser versucht den Schläger für möglichst viele Spieler, Lagen und Schläge universell zu rüsten.

Youtube-Video Wedgeucation von Callaway

Schaftmaterial - Flex, Gewicht, Torque, Rückmeldung und Schaftlänge

Stahl oder Grafit oder gar beides? Der Schaft muss an die physische Stärke des Spielers angepasst sein. Nicht jeder kann mit jedem Schaft spielen. Aber woran erkennt man den richtigen Schaft?


Grundsätzlich gilt es die nachfolgenden fünf wesentliche Faktoren zu berücksichtigen:

Flex:

Wie flexibel ist der Schaft und wie biegt er sich. Für unterschiedliche Schwunggeschwindigkeiten kann man mit unterschiedlichen Härten der Schäfte eine höhere Schlägerkopfgeschwindigkeit erzeugen. Je weicher der Schaft wird, desto höher wird die Geschwindigkeit. Mit zunehmender Härte steigt allerdings die Präzision.

Gewicht:

Eventuell noch wichtiger als die Härte des Schaftes ist das Gewicht. Ähnlich wie beim Flex muss der Spieler über 18 Löcher den Schaft bewegen. Je leichter der Schaft wird, desto höher wird die Schwunggeschwindigkeit. Allerdings verändert sich durch das Schaftgewicht auch die grundsätzliche Gewichtsverteilung der Schlägers. Bei einem leichten Schaft ist der Schläger deutlich kopflastiger, steigt das Gewicht des Schaftes verändert sich das Verhältnis zwischen Kopf und Schaft.

Torque:

Der Torque beschreibt wie stark sich der Schaft in sich verwindet. Im Treffmoment entsteht ein Moment, welches zu einer Verwindung des Schaftes führt. Je weiter entfernt vom Schaft getroffen wird, je stärker wird es.  Sollte auch der lie Winkel falsch sein und der Schläger einen deutlichen Bodenkontakt an der Spitze des Schlägers haben. Je größer die Verwindung des Schaftes ist, desto unkontrollierbar wird der Schlag.


Torque hat einen großen Einfluss auf die Rückmeldung des Schlägers. Die meisten Golfer empfinden einen geringeren Torque als härter, es fehlt das Feedback, der Schaft würde mitarbeiten.

Youtube-Video - Amateure vs. Pros

Rückmeldung:

Wie fühlt sich der Schlag an. Hier zählt die subjektive Meinung, nur wer sich wohl fühlt kann ein gutes Ergebnis erzielen.

Schaftlänge:

Die Schaftlänge ist wohl der naheliegendste Punkt im Customfit. Abhängig von der Körpergröße und der Armlänge benötigt jeder Golfer eine andere Schaftlänge. Auch körperliche Vorraussetzungen wie beispielsweise Rückenprobleme, müssen berücksichtigt werden.

Auch die Schaftlänge hat großen Einfluss auf die Schlaglänge. Je länger der Schaft ist, desto schneller wird der Schlägerkopf. Diesen Vorteil wird nicht nur in den Long Drive Wettbewerben genutzt, auch zwischen verschiedenen Herstellern lassen sich unterschiedliche Standard-Werte feststellen.

Hier der Unterschied zwischen dem normalen Driverschaft und einem für die Long-Drive-Championship:

 

  • Klassischer Driverschaft 45 inch
  • Longdrive Schaft 50 Inch

 

  • Wilson D200 Eisen 7 = 37,5 Inch
  • Ping Gmax Eisen 7 = 37 Inch
  • Mizuno MP 54 Eisen 7 = 36,75 Inch

In dem nachfolgenden Video ESPN Sport Science warum Long Drive Champion Jamie Sadlowski Bubba Watson kurz lässt:

Youtube-Video - Sport Science: Long Driver

Alle diese Faktoren müssen für jeden Spieler individuell berücksichtigt werden. Es gibt also gute Gründe für ein Schlägerfitting. 

 

Wie so ein Fitting abläuft, demnächst hier bei der Stuttgart Golf Community!

Zum Autor:

Benedikt Behl spielt seit knapp 20 Jahren Golf und arbeitet seit fünf Jahren als Golffitter in der Stuttgarter Filiale von Golf House.

Er schreibt für die Stuttgart Golf Community über Themen rund um das Fitting und Trends von Golfschlägern.

Benedikt Behl - Leidenschaftlicher Golfer und Golffitter
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Kommentare: 1
  • #1

    Andre Soe (Dienstag, 15 Dezember 2015 10:50)

    Sehr guter Beitrag Bene ;)

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