Spiel, Spaß & Sieg im Team mit einem Tour-Pro!

ProAm-Turnier der AEGEAN AIRLINES Challenge Tour im Hartl Resort Bad Griesbach

von Stefan Kunz

Eins vorneweg - Golf ist nicht gleich Golf ist nicht gleich Golf! 


Das, was unsereiner als Vollblut-Amateur so umeinanderkachelt, mal geradeaus, mal Slice, mal Hook, mal Socket und wenn er zwei Pars am Stück spielt sich innerlich schon für die US Open anmeldet, ist zwar auch Golf im weitesten Sinne, aber noch lange nicht das, was ein Scratch-Golfer spielt und vor allem noch gaaanz lange nicht das, was ein Playing Professional auf der Challenge Tour leisten und spielen muss.


Und wenn er dort im Jahr ein bis zwei Mal gewinnt oder generell "ins Geld kommt", verdient er damit auch nicht wirklich viele Brötchen, aber umso mehr meinen größten Respekt für seine Arbeit in dieser Ochsentour-Tretmühle!


Es war eindrucksvoll zu sehen, was ein junger Mensch, der mit ordentlich Golftalent gesegnet ist, auf sich nimmt, um sich seinen großen Traum von der European Tour zu erfüllen. Aber jetzt erst Mal der Reihe nach... 

Einen dieser jungen, aufstrebenden Playing Professionals durfte ich am 1. Juli beim ProAm Turnier anlässlich der AEGEAN AIRLINES CHALLENGE TOUR im Hartl Resort Bad Griesbach kennenlernen: Jens Dantorp, Schwede, 26 Jahre, 1,83 m, 73 Kilo, supersympathisch, geerdet!

Driving Range während der Challenge Tour am Beckenbauer Course im Hartl Resort Bad Griesbach
Driving Range während der Challenge Tour am Beckenbauer Course im Hartl Resort Bad Griesbach

Zunächst einmal ging es am Turniertag um 9.30 Uhr auf die Range zum Einschlagen. Man betritt die Range und die Aura des großen weiten Golfsports umgibt Dich - Titleist Pro V1 Rangebälle, Pros, die sich mit ihren Caddies unterhalten, ein, zwei Bälle schlagen um sich dann wieder innerlich zu sammeln, verschiedene Flugkurven testen, die Längen justieren - sieht schon anders aus, als bei uns im Club auf der Range...

 

Ich nehme mir ein Körbchen Bälle - wann habe ich bitte schön das letzte Mal (habe ich überhaupt schon jemals) einen randvollen Eimer mit 90 Bällen verballert - und stelle mich zwischen einen weiteren Schweden und einen Spanier. Deren Schläge hören sich im Treffmoment mal sowas von gänzlich anders an als meine, dass ich erst mal ein paar Sekunden (gefühlt bestimmt 30 Minuten) den beiden zusehe: Easy Swing, locker vom Hocker, baddabumm ans 100er Fähnchen genagelt, rumms an die 200 Meter Markierung gedrived - ich habe mal wieder meine berühmten Sockets vor Augen und mag mir gar nicht ausdenken, was die beiden denken, wenn mein erster Ball gleich direkt im 90 Grad-Winkel dem Schweden-Hünen vor mir ans Wadenbein scheppert...

 

Wider Erwarten gehen die ersten Eisenschläge butterweich vom Blatt, sind schnurgerade und hören sich im Treffmoment fast, ich betone, fast, so an wie die Schläge des Golfgötter-Nachwuchses neben mir. Nachdem vom Pitching-Wedge bis zum Eisen 7 alles rund läuft und ich schon 20 Mal "Danke, meine lieben nagelneuen Cobras!" gemurmelt habe, passiert's: das erste - und leider nicht das letzte - böse "S" des Tages flutscht vom Schläger! In diesem Moment denkst Du, dass alle 80 Pros und Caddies, Fotografen und Presse-Jungs diesen Hammerfehlschlag gesehen haben. Ich blicke mich um, keiner schaut zu mir rüber, keinen interessierts. Die Jungs sind alle mit sich selbst beschäftigt, da interessiert der Schwabenheini nicht die Bohne.

Das Putting Green während der Challenge Tour am Beckenbauer Course im Hartl Resort Bad Griesbach
Das Putting Green während der Challenge Tour am Beckenbauer Course im Hartl Resort Bad Griesbach

Danach geht's zum Putten, ein paar wenige Chips und dann heißt's auch schon losmarschieren zu Tee 11 vom Beckenbauer Course. 

 

Dort wartet auch schon Jens mit meinem zweiten Flightpartner Sven, einem deutschen Privatier mit Wohnsitz Kreta (ja, das gibt's wirklich noch). Unser vierter Mann, ein mir sehr gut bekannter Golf-Journalist aus München, taucht direkt nach mir am Tee auf - kann losgehen :-)


Nach dem üblichen "Ich spiele einen..." und "Wünsche schönes Spiel"-Gefloskele, geht's ab - Jens zieht ein Eisen 4 aus der Tasche und jagt seine Kugel ganz locker, für den zweiten Schlag bestens platziert, vom weißen Abschlag an den linken Fairway-Rand. 230 Meter, kann man mal so machen.

 

Papa Kunz soll nun als Nächster abschlagen, von Gelb wohlgemerkt. Was hast Du in Psychologie im Studienfach Sport gelernt "Visualisiere Deine Aktion vor Deinem inneren Auge und denke nur in für diese Situation positiven Worten" - doing, der Driver geht und meine Kugel liegt nach 190 Metern auf der selben Fairwayseite wie die vom Schweden-Jens - "Ich kann's!"... (Anm. d. Red.: Kürzester Golferwitz)

 

Das ich nichts weiter als ein Wald- und Wiesen-Vertikutierer bin, zeigt sich gleich beim zweiten Schlag: Volltopper mit dem Eisen 5 über 80 Meter - "Ich werde es niemals können!" (Anm. d. Red.: Stimmt!).

 

Wie unsere erste Bahn endet? Schweden-Jens lippt der Birdie-Putt aus 6 Metern downhill aus (spielt easy Par), der Münchener Golf-Schreiberling spielt ein "Wie geht das denn bitte?"-Par, der Kreta-Privatier versenkt seinen dritten und vierten Schlag im Teich und meine Wenigkeit notiert eine 6 (Doppel-Bogey, es gibt Schlimmeres).

Jens Dantorp auf Tee 7 des "Beckenbauer Course" im Hartl Resort Bad Griesbach
Jens Dantorp auf Tee 7 des "Beckenbauer Course" im Hartl Resort Bad Griesbach

Über die nachfolgenden 17 Bahnen hülle ich bezüglich meines bescheidenen Spiels den Mantel des Schweigens. Meine drei Mitstreiter jedoch haben an diesem Tag gezeigt, was es heißt, ein Team zu bilden: Schweden-Jens knallt ne 67 rein und die zwei anderen "Amateur-Gurker" spielen auch fast nur Pars und Birdies gewürzt mit ein paar wenigen Bogeys. Zwei Pars darf auch ich zum Team-Gesamtergebnis beisteuern - Danke! ;-) 


Die gesamte Runde war äußerst entspannt und unser Pro Jens hat eine erstklassige professionelle Performance im Golfspiel wie auch im Umgang mit golftechnisch unterbemittelten Amateuren gezeigt.


Ich denke, dass dieser Bursche, auch wenn er "schon" 26 Jahre "alt" ist, sich in 1-2 Jahren die Tourkarte für die European Tour sichert. Die volle Spielberechtigung für die Challenge Tour hat er in der Tasche und für dieses Jahr auch schon gesamt über 90.000,- € an Preisgeldern eingefahren. Das lässt ihn, im Gegensatz zu manch anderen seiner Kollegen schon ruhiger schlafen und die ganze "Ochsentour" etwas entspannter bestreiten.

(v.l.) Hubertus Tho Rahde (GolfWeek), Jens Dantorp (Golf-Profi), Stefan Kunz (SGC)
(v.l.) Hubertus Tho Rahde (GolfWeek), Jens Dantorp (Golf-Profi), Stefan Kunz (SGC)

Was mich sehr positiv erstaunt und gleichzeitig großen Respekt abgenötigt hat, ist die Tatsache, dass Jens sich sehr offen und ehrlich mit uns während der ProAm-Runde unterhalten hat. Er hat Fragen beantwortet, Witze gemacht, Tipps gegeben und er hat uns, sofern wir das wollten, immer beim Lesen der Putt-Linie oder auch beim Zwischenzielpunkt suchen am Horizont oder auf der Bahn geholfen.

 

Er hätte sich auch nur auf sein Spiel konzentrieren können, denn schließlich war dies für ihn die Proberunde für das am nächsten Tag startende Challenge-Tour-Turnier - jeder im Flight hätte ihn verstanden. Doch Jens ist ein absoluter Vollprofi, geerdet und einfach ein super Kerl, dem man wirklich von ganzem Herzen die European TourCard gönnen muss!

Zwischen Scorekartenvergleich und Siegerehrung fand wie bei der "großen" European Tour eine Pressekonferenz im Hotel Maximilian statt. Zahlreiche nationale Fachjournalisten waren dem Aufruf gefolgt und hörten sich die Statements der veranstaltenden Challenge Tour, von Hauptsponsor Aegean Airlines und dem Gastgeber Hartl Resort Bad Griesbach an.


Bei der Abendveranstaltung im ***** Hotel Maximilian im Hartl Resort Bad Griesbach haben wir dann einen hochsommerlichen, anstrengenden und hochinteressanten Golftag bei einem erstklassigen Gala-Dinner ausklingen lassen. Jens Dantorp war auch da noch bis zum Ende des offiziellen Teils bei uns am Tisch und hat mit uns geplaudert. Da sind ein paar seiner Kollegen schon viel früher auf's Zimmer gegangen oder erst gar nicht zur Gala erschienen...

 

Leider hat Jens die erste Runde des Turniers am Donnerstag mit einer 76 begonnen (eine 67 hat er mit uns gespielt...), so dass er trotz einer 68 am zweiten Tag den Cut um einen Schlag verpasst hat. Aber so ist Golf - It's just a game - das sagte mir Jens übrigens nach meinem dritten bösen "S" innerhalb von vier Spielbahnen, als ich kurz davor war mein Bag samt Trolley in den Fluten des Sees an Bahn 2 zu versenken.

 

Ich weiß, er wird seinen Weg machen. Er wird bodenständig bleiben. Dafür sorgt sein familiäres und privates Umfeld, das er alle 3-4 Wochen in Schweden besucht und er mit seinem jahrelangen, ihm eng vertrauten Heimtrainer das ein oder andere am Schlagrepertoire noch verfeinert.

 

Ach ja - wir haben in der Team-Wertung den ersten Platz gemacht - der Hammer - mein erster Auftritt auf der Profi-Tour und gleich ein Sieg... Ich glaub, ich könnte es können... ;-)

Vielen herzlichen Dank an Volker Schwartz vom Hartl Resort Bad Griesbach für die Einladung, an CobraPuma für die super gefitteten Fly-Z-Irons & Hybrids (ich liebe sie von Tag zu Tag mehr) und an XFORE GOLFWEAR für mein profihaftes Outfit!

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Kommentare: 2
  • #1

    Manni (Montag, 13 Juli 2015 15:56)

    Hallo Stefan, sehr schöner Bericht. Da man die Freude an dem Turnier richtig raus lesen. Ausser die "S" Schläge ;)

    Gruss Manni

  • #2

    Frank Peters (Sonntag, 02 August 2015 11:48)

    Super geschrieben, Stefan.

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