Crossgolf durch Rottenburg

Bratwurst, Bier und Bombenstimmung

von Claudio Orlik

Wegweiser - ©Claudio Orlik
Wegweiser - ©Claudio Orlik

Am vergangenen Sonntag fanden in Rottenburg im Rahmen des Neckarfestes die 1. Neckar-City Crossgolf Open mitten in der historischen Altstadt und entlang des angrenzenden Neckars statt. Veranstalter war der Golfclub Domäne Niederreutin, der in Kooperation mit den Stuttgarter Crossgolfern "The GolfFellas" und der Stadt Rottenburg für reichlich Aufsehen und teilweise Aufregung der Festbesucher sorgte, als zahlreiche Teilnehmer aus ganz Deutschland und der Schweiz die weißen Hartschaumbälle durch Häuserschluchten, von Brücken und ins Wasser fliegen ließen. Die 0711 GOLF CREW, die den Kontakt zwischen der Domäne Niederreutin und den GolfFellas hergestellt hatte, war selbstverständlich mit am Start! ;-)

Als um 10 Uhr das Crossgolfturnier mit dem Ground Opening am Eugen-Bolz-Platz eingeläutet wurde, war der Parcours bereits abgesteckt und die Anmeldung für die Spieler geöffnet, die nach und nach bei mildem aber sonnigen Temperaturen eintrudelten. Bis zur offiziellen Eröffnung gegen 11:15 Uhr durch André Kette, Geschäftsführer des Golfclubs Domäne Niederreutin, und Rastislav "Rasti" Dominik, Founder und Mitgründer der GolfFellas, registrierten sich sage und schreibe 87 Teilnehmer aller Geschlechter und Altersklassen.

Golfen mitten in der Altstadt - ©Claudio Orlik
Golfen mitten in der Altstadt - ©Claudio Orlik

Nach der Begrüßung, der Ansprache und der Nennung der einzelnen Flights machten sich die Spieler mit ihren zugewiesenen Lochmarshalls auf den Weg zu ihren Bahnen, dessen jeweiliger Abschlagspunkt mit Kreidespray markiert wurde. Um Punkt 12 Uhr wurden die 1. Neckar-City Crossgolf Open dann endlich mit dem Glockenschlag der St. Moritz Kirche eingeläutet. Die Organisatoren des bei der Stadt Rottenburg angemeldeten Events hatten sich im Vorfeld 18 technisch anspruchsvolle, aber auch sehr einfache Bahnen einfallen lassen, die es auf unterschiedlichster Art zu bezwingen galt. Zwischen der kürzesten Bahn mit minus 8 Metern und der längsten Bahn mit 98 Metern mussten die 13 Gramm leichten Hartschaumbälle somit auf verschieden Untergründen wie fieses Kopfsteinpflaster, rauer Asphalt, grüne Wiese und lockerer Sand gegen oder in ein Ziel getroffen werden, was den einen oder anderen "Platzgolfer" und Golf-Neuling vor eine Herausforderung stellte. Aber auch Crossgolfer und Crossgolf Erfahrene hatten sich mehr als oft die Zähne an den mitunter schweren Zielen ausgebissenwobei der innerstädtische "Golfplatz" mit Sicherheit den meisten Teilnehmern nicht nur spielerisches Können, sondern auch Überwindung vom Kopf her abverlangte.

Crossgolf-Rough - ©Claudio Orlik
Crossgolf-Rough - ©Claudio Orlik

Trotz den eigenen, ausrangierten Golfschlägern oder den vom Golfclub Ausgeliehenen, trat bei so manchem die Hemmnis zum Vorschein, den Kontakt zwischen Schlägerkopf und harten Untergrund herzustellen. Ganz sicher lag es aber auch an den weit über 10.000 Festtagsbesuchern, die nicht immer Verständnis für das ungewöhnliche Treiben mitten in einem so stark frequentierten Fest zeigten. Im Großen und Ganzen war das positive Feedback jedoch überwältigend, gleichwohl ob aus Sicht der Spieler oder der Zuschauer. Dass der Spielfluss an einigen Bahnen eher zäh war und das ein oder andere Ziel auf Grund größerer Menschenansammlung nicht immer richtig angegriffen werden konnte, änderte gesamtheitlich betrachtet aber nichts am Spaßfaktor, der die ganze Zeit über das gut besuchte Neckarfest waberte.

Das heilige Zebra der GolfFellas - ©Claudio Orlik
Das heilige Zebra der GolfFellas - ©Claudio Orlik

Da war der Schwimmring im Teich beim Schänzle, der nicht getroffen werden musste, sondern jeder Spieler mit maximal drei Schlägen versuchen konnte, dass der Ball im Schwimmring liegen blieb. Ein oftmals schweres Unterfangen, dass auch die Zuschauer nicht nur miterlebt hatten, sondern auch selber einmal probieren durften, wenn gerade kein Flight an dieser Bahn versucht hatte, seinen Score zu verbessern. Als Challange-Bahn konnte man hier pro Treffer einen Minuspunkt auf seiner Scorecard eintragen, also maximal drei Punkte. Aber auch Ziele wie eine Laterne, ein Kaminrohr und ein auf dem Boden aufgezeichnetes Dreieck in dem der Ball liegen bleiben musste, sowie ein Betonpoller, ein Holzschiff, ein Stein im Fundament des Rottenburger Turms und eine Puttingbahn sorgten für gemischte Gefühle. Die Highlights waren aber ganz sicher das Zebra im Sprinter, der mitten vor einem Café auf dem Marktplatz stand und der gummierte Vierbeiner somit vor reichlich Publikum getroffen werden musste, sowie die Neuheit an Bahn 4, denn neben dem "klassischen" Ziel hatte man hier die Möglichkeit, mit einem vorgelagerten Zwischenziel die Bahn vorzeitig zu beenden und sich sogar ein Minuspunkt zu holen. Aus Sicht der Bahnenplaner ging die Rechnung auf, denn während einige Spieler hier fantastische Ergebnisse erzielten, verzweifelten viele andere an dieser so einfach scheinenden Verlockung.

"schwimmende" Siegerehrung - ©Claudio Orlik
"schwimmende" Siegerehrung - ©Claudio Orlik

Nach knapp 6 Stunden konnte auch der letzte Flight seine Scorekarten rechtzeitig vor Anpfiff Deutschland gegen die Slowakei abgeben, denn an diesem Tag fand auch das Achtelfinalspiel der Fußball-EM in Frankreich statt, dass durch viele Lokalitäten übertragen wurden. Somit stand das Neckarfest am zweiten Tag ganz im Stern des Sports. Der Golfclub Domäne Niederreutin hatte daher nur eine dreiviertel Stunde Zeit die Scores auszuwerten, denn in der Fußballhalbzeit fand die Siegerehrung auf der Showbühne statt, die in Form eines Pontons am Ufer des Neckars ankerte. Nach einer fantastischen Rede des Bürgermeisters Stephan Neher, der dieses Highlight in der 41-jährigen Geschichte des Rottenburger Neckarfestes als Bereicherung betrachtete, wurden im Beisein von vielen Zuschauern die Gewinner aufgerufen. Angefangen beim letzplatzierten, der die Rote Laterne in Form einer Rotweinflasche mit nach Hause nehmen durfte. Bei der Jugend gewann Julian Born mit 74 Schlägen nach einem Computerstechen vor Finn Lehmkühler (74) und Marco Meyer (76) und bei den Damen, ebenfalls nach einem Stechen am Computer, Ulrike Clüsseraht (81) vor Gundel Meißner (81) und Martha Herkommer (82). Bei den Herren landet Norman Dick von Crossgolf Aachen mit 54 Schlägen auf den dritten Platz. Silber holte Samuel Hauptmann von den Winetown Golfers mit 50 Schlägen und ebnete Florian Weißer von den Porngolfern den ersten Platz mit 46 Schlägen, der somit die 1. Neckar-City Crossgolf Open gewonnen hat! Alle drei erfolgreiche Crossgolf Nationalspieler - dieses Jahr holten sie in Amsterdam die Silbermedaille beim European Urban Golf Cup (EUGC). Wir gratulieren allen Gewinnern von ganzem Herzen!

Eindrücke vom 1. Neckar-City Crossgolf Open

©Steffen Müller Fotografie;  ©Claudio Orlik

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