Vom halben Schotten zum ganzen Schwaben

Pro Shop-Turnier setzt Maßstäbe – Club feiert 30-jähriges Jubiläum von Barry Higgins

von Jürgen Schaal

Werbung für das Pro Shop-Turnier von Barry Higgins zu machen, ist wie Eulen nach Athen tragen. Kaum hängt die Meldeliste, schon ist sie voll: 87 Teilnehmer starteten am Samstag, dem 15. Juni, und erlebten ein Turnier der Extraklasse, das Pro Barry dieses Mal unter das Motto Schottland stellte. Schließlich verbrachte der 55-Jährige gebürtige Australier einige Jahre in Schottland. Seine Reisetrips mit den Club-Mitgliedern ins Links-Paradies sind legendär.

Barry Higgins, seine Frau Lorna und Sohn Ryan (Tochter Annika war diesem Mal nicht dabei) hatten alles bestens vorgeplant. Schon am Starterhaus verwandelten sich die Golferinnen und Golfer dank Karo-Mütze mit Rothaarbesatz in waschechte Schotten. Petrus hatte die Regenschleuse geschlossen und so lachte die Sonne den ganzen Tag. Auch der Platz präsentierte sich in gutem Zustand, so dass die golfertypischen Ausreden – vom hohen Rough abgesehen – nicht artikuliert werden konnten.

Lorna Higgins betreute das auf „schottisch“ gestylte Halfwayhaus und sorgte dafür, dass keiner Hunger und Durst leiden musste. Am Abend erwarteten die Teilnehmer festlich geschmückte Tische – auch hier war der schottische Einfluss sichtbar.

Präsident Matthias Eschle begrüßte die Mitglieder und freute sich, dass das Pro Shop-Turnier stets auf so große Resonanz stoße. In seiner Rede ging Eschle besonders auf das außergewöhnliche Jubiläum ein, das Barry zu feiern hatte. Seit genau 30 Jahren ist er Trainer im Golfclub Reutlingen-Sonnenbühl. Zudem habe Barry vor wenigen Tagen die Einbürgerungsurkunde als Deutscher erhalten. Also ein doppelter Grund zum Feiern! „1989 gab es zwei einschneidende Ereignisse, eines für Deutschland und eines für uns als Golfclub: Die Wiedervereinigung ging über die Bühne und Du hast beim damaligen Präsidenten Robert Foster Deinen Vertrag als Pro unterschrieben. Seither sind 30 Jahre vergangen. Das mit der Wiedervereinigung und der Integration unserer Landsleute aus dem Osten haben wir uns einfacher vorgestellt, aber Deine Assimilierung hat zu 100 Prozent funktioniert“, sagte der Präsident. „Du hast seit drei Jahrzehnten Generationen von Golfanfängern trainiert und die Meisten zu guten Golfern gemacht. Du hast mit Deinem Pro Shop alle immer erstklassig beraten, so dass wir stets mit bestem Equipment und optisch ansprechend über den Platz gelaufen sind“, fuhr der Präsident fort.

In Australien geboren, einige Jahre in Schottland gelebt und seit nunmehr 30 Jahren als Pro und Shop-Inhaber im Golfclub Reutlingen-Sonnenbühl: Barry Higgins (links) mit Ehefrau Lorna Higgins bei der Ehrung durch Club-Präsident Matthias Eschle. Vorausgegangen ist das traditionelle Pro Shop-Turnier, das der umtriebige Higgins in jedem Jahr veranstaltet - © Golfclub Reutlingen-Sonnenbühl e.V.

Nach Matthias Eschle ergriff Robert Foster das Wort. Er hatte in seiner Präsidentschaft Barry Higgins aus Bayern nach Sonnenbühl geholt. Foster erinnerte daran, dass es nicht ganz einfach war, die Albbewohner davon zu überzeugen, einem Insulaner eine Wohnung zu vermieten. In Großengstingen wurde man fündig und Barry konnte seine Arbeit beginnen. Mittlerweile lebt er im eigenen Haus in Sonnenbühl und ist hier heimisch geworden. Foster wünschte ihm noch viele Jahre hier im Club und bedankte sich für dessen Treue und Engagement.

Dann übernahm Spielführer Michael Reiher die Regie und es folgte die Siegerehrung inklusive Übergabe der Preise, die Barry wie immer auf den jeweiligen Sieger oder die Siegerin abgestimmt hatte. In der Sonderwertung Nearest to the Pin war Präzision gefragt. Bei den Damen legte Rena Rusko den Ball mit einer Entfernung von 4,88 Metern an die Fahne. Bei den Herren war es Michael Reiher, der nur 0,89 Meter vom Stock weg war. Den Longest Drive holte sich Caroline Foster bei den Damen mit 174 Metern, eine ganz andere Marke setzte Kristian Kemmler mit 288 Metern.

In vier Nettoklassen wurden jeweils drei Preise vergeben. In der Klasse D (26,6 – PE) spielte Ellen Frankenstein 39 Netto und verbesserte ihr Handicap von 35,5 auf 34. Dies reichte für Rang 3. Auf den zweiten Platz kam Gero Hohmuth mit 40 Netto. Dies bedeutete eine Handicap-Verbesserung von 41 auf 37. Den Vogel abgeschossen hatte an diesem Abend Sebastian Schnell. Er katapultierte sich mit unglaublichen 68 Nettopunkten vom Anfänger mit Handicap 54 zum Golfer mit Handicap 29.

In der Nettoklasse C (18,5 – 26,5) reichten 30 Nettopunkte für Rang 3. Günther Bächle war der Glückliche. Auf Rang 2 folgte mit 32 Nettopunkten, Handicap bestätigt, Sabine Ott. Der Sieg mit 35 Nettopunkten (ebenfalls im Puffer) ging an Thomas Baumgartner.

In der Klasse 2 (12,0 – 18,4) wurde Zählspiel gewertet. Hier erreichte Elisabeth Keller mit 34 Netto (74) und 95 Schlägen den dritten Platz, Stefan Rusko kam auf Rang 2 mit 36 Netto (73) und 92 Schlägen. Der Sieg ging an Marc Kopp mit 90 Schlägen und 35 Netto (73).

Sein Handicap verbessern musste, wer in der Klasse 1 (0 – 11,9) aufs Podest wollte. Rang 3 ging an Jürgen Schaich, der 37 Netto (71) spielte und 80 Schläge benötigte (Handicap verbessert von 8,3 auf 8,1). Platz 2 belegte Herbert Kittelberger mit 82 Schlägen, aber 38 Netto (70). Er senkte sein Handicap von 11,6 auf 11,1. Der Sieg war aber Sebastian Keller nicht zu nehmen. Mit 39 Netto (69) und 81 Schlägen belegte er Rang 1.

Im Brutto der Damen hatte Rena Rusko am Ende zwei Schläge Vorsprung (87er Runde) vor Anja Nusser. Bei den Herren dominierte der ehemalige Clubmeister Willi Rudorf mit einer super Runde und zwei Schlägen über Par (74) vor Konstantin Keller und dem favorisierten Kristian Kemmler.

Der Jugendpreis ging an Lea-Sophie Herrmann, die 39 Nettopunkte spielte und in Klasse D den Sieg davon trug. Sie verbesserte ihr Handicap von 30,5 auf 29.

Als Higgins schon glaubte, der gemütliche Teil des Abends würde beginnen, traten Erich Ott und Oliver Freudenmann auf den Plan. Im Namen der AK 50 Herren musste sich der gebürtige Australier, der in England aufwuchs, der schwäbischen Einbürgerungsprüfung unterziehen. Da waren Kenntnisse der Kehrwoche ebenso gefragt wie das Wissen um das schwäbische Nationalgericht. Dank Joker und unter tatkräftiger Mithilfe der Anwesenden schaffte Barry auch diese Prüfung mit Bravour und darf sich nun als waschechter Schwabe bestätigt fühlen. Am Ende hat sich bewahrheitet, dass Schotten und Schwaben Seelenverwandte sind. Barry Higgins ist der lebende Beweis.

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